Idioma:

Edit Template

Idioma:

Edit Template

Das Santuari de Lluc

Ein sehenswertes Kleinod im Tramuntanagebirge ist das beschauliche Santuari de Lluc. Diese hübsch angelegte Klosteranlage liegt inmitten einer wunderschönen Naturkulisse auf etwa 500 Metern Höhe und lohnt einen Besuch. Besonders für Wanderfreunde ist das Santuari ein beliebter Ausgangspunkt für Tagestouren in der Tramuntana, da es auch über eine günstige Herberge verfügt. Das Kloster kann man bequem mit dem Auto oder zu Fuß erreichen. Die Klosteranlage Lluc wurde um ca. 1250 errichtet. Nach einigen Zerstörungen wurde es im 17./18. Jahrhundert wieder restauriert, umgebaut und vergrößert. Heutzutage ist das Santaurari eine Pilgerstätte sowie ein beliebtes Ziel für Touristen und Einheimische, denn es bildet das Zentrum des religiösen Mallorcas. Das zentrale Gebäude des Santuari de Luc ist die hübsche Klosterkirche. Hinter dem Altar befindet sich das wertvolle Objekt und Ziel der Pilgerreisenden: die berühmte Madonnafigur „La Morenata“. Ansonsten ist die Kirche, die im Jahre 1914 eingeweiht wurde, eher spärlich eingerichtet. Den schönsten Ausblick über die herrliche Landschaft erhält man, wenn man den nahegelegenen Kalvarienberg besteigt. Auf dem kurzen Fußweg trifft man auf eine beeindruckende Sammlung von Sonnenuhren. Von hier aus kann man die gesamte Klosteranlage überblicken. Außerdem schweift der Blick über idyllische Berge und Täler. In einem Seitenflügel des Hauptgebäudes ist ein interessantes Museum untergebracht. Hier sind hauptsächlich Ausstellungsstücke zur mallorquinischen Geschichte zu bewundern. So finden sich hier neben archäologischen Funden aus Mallorca auch alte Möbel, Keramiken, Handarbeiten, Textilien oder Gemälde. Sehenswert sind außerdem der hübsche Klostergarten sowie der Innenhof des Monestir de Lluc. Das Kloster Lluc beherbergt zudem ein Internat für Jungen. Die Schüler stehen unter einer besonderen musikalischen Förderung und außerhalb der Schulferien kann man täglich den weltbekannten Kinderchor „Blauets“ beim Üben zuhören. Auf dem Gelände des Klosters befindet sich neben der Herberge mit ihren rund 80 Zimmern und 39 Apartments auch ein schönes Restaurant, das besonders bei Wanderfreunden sehr beliebt ist. Empfehlenswerte Wanderrouten von hier aus sind unter anderem der Abstieg hinunter durch den „Torrent de Pareis“, welcher als eine der tiefsten Schluchten Europas gilt. Eine weitere schöne Tour ist außerdem eine Wanderung zum zweithöchsten Berg Mallorcas. In etwa drei Stunden erreicht man den 1348 Meter hohen „Massanella“. Da die Herberge der Klosteranlage ein beliebtes Ausflugsziel ist, empfiehlt sich trotz der vielen Zimmer eine vorherige Reservierung.

Die Stierköpfe aus Costitx

Fernab vom Massentourismus befindet sich der kleine Gemeindeort Costitx. Das rund 1.200 Einwohner zählende Städtchen nördlich von Inca beherbergt eine der wohl geschichtsträchtigsten Ausgrabungsstätten Mallorcas. Hier entdeckte im Jahre 1894 der Mallorquiner Joan Vallespir de Can Pere Pina auf seinem Anwesen, dem Landgut Son Corró, wertvolle Bronze-Stierköpfe in Lebensgröße. Der Fund der Caps de Bou de Costitx rief die archäologische Gesellschaft auf den Plan, die kurz darauf mit ihren Ausgrabungen begann. Dabei wurde eine historische Kultstätte mit weiteren Gegenständen aus der talayotischen Zeit entdeckt. Bis heute gelten jedoch die drei Stierköpfe als die spektakulärsten Funde der Ausgrabungsstätte. Die bronzenen Caps de Bou stammen aus dem 6. bis 5. Jahrhundert v. Chr. Sie sind aus einem Stück gegossen. Bemerkenswert daran ist die detailgenaue Nachbildung. Augen, Nüstern, Maul und Hörner der Stierköpfe wirken verblüffend natürlich. Jeder der Stiere von Costix verfügt über eine große Öffnung. Man nimmt an, dass diese Köpfe damals an Schiffen angebracht waren und als Gallionsfiguren dienten. Möglicherweise wurden die Caps de Bou von talayotischen Piraten als Beute genommen. Da die Stierköpfe von Costix eine große Ähnlichkeit haben mit Fundstücken aus Griechenland, Portugal, und Persien sowie Köpfen, die auf Malta und Sardinen entdeckt wurden, gehen Historiker davon aus, dass die balearischen Ureinwohner schon in der Frühzeit einen regen Kontakt zu anderen Kulturen gepflegt haben müssen. Die Caps de Bou gelten als ein Zeugnis des traditionellen Stierkultes der Talayots. Im Mittelmeerraum gilt der Stierkult als eine sehr alte Tradition. Fresken und Abbildungen, beispielsweise auf Kreta, weisen darauf hin, dass bereits um etwa 1.500 v. Chr. dieser Kult gepflegt wurde. Die Originale der Stierköpfe sind heute im Nationalmuseum in Madrid ausgestellt. Warum das so ist, hat seinen Grund: Damals durfte jeder Eigentümer eines archäologischen Fundortes Geld für seine Fundstücke verlangen. Die archäologische Gesellschaft hatte leider nicht die Mittel, um den Fund aufzukaufen. Damit die Köpfe nicht in die Hände von Kunsthändlern gelangten, wurde ein Presseaufruf gestartet. Zwei Mallorquiner schalteten daraufhin die Zentralregierung in Madrid ein und die Köpfe konnten im Nationalmuseum untergebracht werden. Heute sind im Santuari de Son Corró, dem Kulturhaus von Costitx, detailgetreue Nachbildungen der Stierköpfe zu sehen. Die original Ausgrabungsstätte Santuari Talaiòtic de Son Corró befindet sich rund 2 Kilometer vom Ortszentrum entfernt und kann besichtigt werden.

Versteckte Orte – Santa Maria de Bellpuig

Das historische Kloster Bellpuig liegt idyllisch eingebettet auf einem mit Steineichen bewaldetem Hügel und befindet sich bei Artà, ganz in der Nähe des Cami Vell de Ciutat. Die Geschichte der Anlage geht bis in das Jahr 1230 zurück. Damals, nachdem Jaume I. in den Bergen Artás die letzte maurische Bastion niedergeschlagen hatte und seinen Eroberungssieg feierte, wurde das Land christianisiert. Kirchen und Klöster wurden errichtet und der König überließ das Kloster zusammen mit acht weiteren Landgütern den Ordensmönchen der Abtei von Bellpuig de les Avellanes aus Katalonien. Die Klostergründung brachte auch eine Neubesiedelung mit sich. Neue Bauten wurden errichtet, in denen auch das Material von römischen und maurischen Gebäuden mit einbezogen wurde. Im Jahre 1244 gründeten acht Mönche die erste Christengemeinde in Artà. Die von ihnen errichtete Kirche, das Gemeindehaus sowie die anderen angrenzenden Gebäude der Klosteranlage Bellpuig wurden im Laufe der kommenden Jahrhunderte unterschiedlich genutzt. Im Jahre 1425 verließen die Mönche das Kloster Bellpuig. Neuer Eigentümer war die Familie Vivot und später die Familie Damento, die im Jahre 1637 den Titel Markgrafen von Bellpuig erhielt. Später übernahmen deren Nachfolger das Kloster. Die letzten Mitglieder dieser Familie, mit dem Namen Truyols, leben heute in einem Stadtpalast von Artà. Die Klosteranlage Bellpuig ordnet sich um einen viereckigen Patio an. Wie bei einem Kreuzgang befanden sich die Klostergebäude, die Kirche sowie die Vorratsräume an den Seitenflügeln. Von allen Gebäuden ist heute lediglich die Kirche noch architektonisch relativ gut erhalten. Alle weiteren Bauwerke sind verfallen. Bei dem Gotteshaus handelt es sich um eine einschiffige Kirche im gotischen Stil mit einem Satteldach. Im Inneren ist das Bauwerk sehr karg und schlicht ausgeschmückt. Das Hauptportal zeigt geometrische Symbole und auch das kleine Fenster der Apsis sowie die Kapitelle der Pilaster sind mit geometrischen Motiven verziert. Ursprünglich beherbergte die Klosterkirche eine Marienskluptur, diese wurde aber im Jahre 1425, als die Mönche das Kloster verließen, nach Artà gebracht. Nach dem Übergang in Privatbesitz wurde aus der Klosteranlage ein Bauernanwesen, welches entsprechend den neuen Nutzungsanforderungen umgebaut wurde. Seit dem Jahre 1999 gehört das Kloster Bellpuig dem Inselrat von Mallorca, der in den letzten Jahren damit beschäftigt war, auf dem Gelände archäologische Ausgrabungen durchzuführen. Im Zuge dieser Arbeiten wurden Reste von prähistorischen, römischen und maurischen Bauwerken zu Tage gefördert.

Das Castell d’Alaró

Idyllisch gelegen, auf dem Puig de Alaró, auf einer Höhe von rund 820 Metern thront das historische Castell d’Alaró. Der Burgkomplex, der heutzutage aus einer Ruine besteht, ist einer der wohl symbolträchtigsten Orte Mallorcas und bietet eine atemberaubende Aussicht. Das historische Denkmal war im Mittelalter Schauplatz erbitterter Kämpfe und kriegerischer Auseinandersetzungen. So haben sich die Mallorquiner viele Jahre lang gegen die Araber erfolgreich zur Wehr gesetzt. Während der Zeit der arabischen Herrschaft erlangte die Insel Reichtum und Wohlstand. Die Landwirtschaft erlebte eine Blütezeit, da Bewässerungsanlagen und aufwendige Terrassensysteme geschaffen wurden. Die Araber bauten das Castell prunkvoll aus und nannten es von nun an „hisn al-arun“, was soviel heißt, wie Berg der Christen. Nachdem im Jahre 1229 der König von Aragon Palma zurückeroberte, gelangte im Jahre 1231 das Castell d’Alaró auch wieder in spanische Hand. Zur Burgruine führt eine steile, schmale Bergstraße. Der Weg zum Castell muss auf der letzten Etappe jedoch zu Fuß zurückgelegt werden. Vorbei an Schafherden und durch duftende Olivenhaine führt der steinige Bergpfad. Wer sich die Mühe macht, wird nach dem steilen Aufstieg mit einem sensationellen Panorama belohnt. Im Norden blickt man auf die eindrucksvollen Gebirgszüge der Serra de Tramuntana und in Richtung Süden schweift der Blick über Alaró und die Ebene Llanura del Centr. Der ursprüngliche Burgkomplex des Castell d’Alaró bestand aus einer trutzigen Festungsmauer mit fünf Wachtürmen. Teile der Festungsmauer sind heute noch erhalten. Ebenso ein Teil des Torre de la Cova, des südlichen Hauptturmes sowie des Torre de l’Homenatge des Eingangstores. Der Turm diente einst den Mauren als Kerker und war ein Gefängnis. Unterhalb dieses Turmes liegt die sehenswerte Tropfsteinhöhle Sant Antoni. Oberhalb der Burgruine befinden sich fünf Zisternen, die vermutlich aus der Zeit der arabischen Herrschaft stammen sowie eine Herberge. In diesem gemütlichen Gasthaus, dem Refugi del Castell d‘ Alaró kann man auch übernachten. Sie ist übrigens auch Teil der bekannten „Ruta de pedra en sec“, der Route der Trockensteinmauern. Hinter diesem Begriff verbirgt sich der rund 150 Kilometer lange Fernwanderweg GR 221. Jährlich am Sonntag nach Ostern sowie am 8. September, dem Geburtstag der Jungfrau Maria, finden Wallfahrten zum Castell d’Alaró statt.

Robert Graves – Der Poet von Deià

Deià, das verträumte Bergdorf der Tramuntana, ist vor allem bekannt durch einen der wohl berühmtesten Dichter, die Mallorca zu ihrer Wahlheimat auserkoren haben: Robert Graves, der unter dem Namen Robert von Ranke Graves am 24. Juli 1895 in London geboren wurde, hatte seinen Adelstitel von seinem Großvater Heinrich von Ranke. Der deutsche Historiker Leopold von Ranke war Robert Graves Urgroßonkel. Deià war Graves Paradies und wurde zu seiner Heimat. Hier schrieb er seine Memoiren. Die 1929 erschienene Autobiographie „Strich drunter“ ermöglichte es ihm, sich auf Mallorca ein Haus zu bauen. Seine persönliche Oase entstand am Ortsausgang von Deià. Hier, in seinem 1932 gebauten Domizil, „Ca N’Alluny“, zu deutsch abgelegenes Haus, oberhalb des Fischerpfades zur Bucht, schrieb der Autor seine wichtigsten Werke. Graves, der sich selbst als Dichter bezeichnete, konnte sich durch die Tantiemen auf Mallorca ein angenehmes Leben ermöglichen. Deià hatte für Graves alles, was ein Schriftsteller benötigt. So schrieb er, alles was er brauche sei hier: „Sonne, Berge, Meer, Laubbäume, Quellwasser, Luxus, wie Elektrizität, die Abwesenheit von Politik sowie eine Buslinie, die mich nach Palma bringt.“ In dieser verschwiegenen Idylle verfasste Graves einen seiner wohl erfolgreichsten Romane. Im Deutschen erschien er unter dem Titel „Ich, Claudius, Kaiser und Gott“. Anfangs wurde Graves von den Dorfbewohnern für einen Diener gehalten, der im Dorf für seine Herrschaften Einkäufe macht. Erst als “Claudius” im Jahre 1976 verfilmt wurde, erkannte man die wahre Bedeutung von Graves und seinen Werken. Dabei kamen solche illustren Gäste zu Besuch, wie die Hollywood-Stars Ava Gardner, Alec Guinness oder auch Peter Ustinov. Das Verhältnis zu den Dorfbewohnern war getragen von Anerkennung, Respekt und Distanz. Man nannte ihn auch liebevoll den „Adoptivsohn von Deià“. Graves bezeichnete sich selbst als exzentrisch. Eine Eigenart, neben der besonderen Art sich auszudrücken, war die Tatsache, dass es ihm offensichtlich schwer fiel, geradlinig eine Straße entlangzugehen. Außerdem pflegte er bei Tisch meist mit Brotstückchen zu spielen. Seine plötzlichen Anfälle von Amnesie beunruhigten ihn zunehmend. Am 7. Dezember 1985 starb der inzwischen senile Graves im Alter von 90 Jahren. Sein Grab liegt direkt neben der Kirche. Auf der Grabplatte steht unter seinem Namen der Zusatz „Poeta“ (Dichter). Im Jahre 2007 wurde im ehemaligen Wohnhaus des Poeten ein Museum eröffnet.

Die Perlen von Mallorca

Sie sind kaum von echten Perlen zu unterscheiden, doch sind sie beliebte Prachtstücke und gelten nicht nur auf der Insel als etwas Besonderes: die bezaubernd schönen Mallorca Perlen. Die nach einem besonderen Herstellungsverfahren angefertigten Perlen lassen sich auf der Haut so angenehm tragen wie echte Perlen und haben außerdem die Eigenschaft, die Körperwärme schnell aufzunehmen. Die Mallorca Perlen zeichnen sich besonders durch ihre verschiedenen Tönungen und Schattierungsnuancen aus und werden in spezieller Handarbeit liebevoll hergestellt. Der Vorgang der Herstellung der Mallorca Perle ist ein langwieriger und präziser Prozess. Hierbei wird ein winzig kleiner gehärteter Kern an eine Spezialhalterung gehängt. Danach wird er mehrere Male in eine ganz besondere Perlmuttmasse getaucht. Dieses Gemisch, deren genaue Rezeptur streng geheim gehalten wird, besteht nicht einfach nur aus gemahlenem Perlmutt sondern aus besonderem Muschelsand und feinen Fischschuppen. In Handarbeit wird jede einzelne Schicht mit einem Gasbrenner so stark erhitzt, dass die Perlmuttmoleküle miteinander verschmelzen. Im Zuge dieser Polymerisation wird die Farbe der Perle konserviert. Um die verschiedenen Farben und Schattierungen zu erhalten, werden den sogenannten Majoricas bestimmte farbige Mineralstoffe beigefügt. Wurden alle Schichten aufgetragen, werden die Mallorca Perlen geschliffen und glänzend poliert. Am Ende erfolgt eine sorgfältige Qualitätskontrolle. Die Idee Mallorca Perlen herzustellen kam von einem Deutschen. Eduard Hugo Heusch, ursprünglich ein nach Paris ausgewanderter Ingenieur, hatte dort das Verfahren künstliche Perlen herzustellen entwickelt. Auf Mallorca gründete er später eine eigene Firma, um die besonderen Majoricas zu produzieren. Die Mallorca Perlen sind weltweit bekannt und gelten als besondere Schöpfungen. Derzeit gibt es sieben Perlenmanufakturen auf Mallorca, die die original Majoricas herstellen. Bekannte Fabriken sind unter anderem die Perlas Majorica in Manacor sowie die Perlas Orquidea mit Sitz in Montuïri. Ein besonderes Highlight ist der Besuch einer solchen Perlenfabrik. Hier bekommt man hautnah einen Einblick in die Herstellung der Majoricas. Jede Firma hat ihre speziell zusammengestellte Perlmuttmasse, die natürlich nicht verraten wird. In den Verkaufsräumen der Manufakturen hat man die Möglichkeit, die Majoricas auszusuchen und zu kaufen. Im Jahre 1948 lief das Patent der Gründerfamilie aus. So tauchten in der Folgezeit auch Imitationen der Mallorca Perlen auf. Um zu vermeiden, dass man auf Fälschungen hereinfällt, stellen die original Manufakturen den Kunden Echtheitszertifikate aus. Außerdem erhält man eine Zehn-Jahres-Garantie.

Das Landgut Son Marroig des Erzherzogs Ludwig Salvator

Das Landgut Son Marroig ist ein sehenswertes Anwesen, welches zauberhaft auf einer steilen Klippe thront. Das Hauptgebäude, im Renaissance-Stil erbaut, diente lange Zeit als Hauptwohnsitz des Erzherzogs Ludwig Salvator, einem Cousin der österreichischen Kaiserin Elisabeth, besser bekannt unter dem Namen Sisi. Das Anwesen gegenüber der Halbinsel Na Foradada lohnt einen Besuch, denn von hier aus hat man nicht nur einen atemberaubenden Ausblick über das Meer, sondern wird Zeitzeuge lebendiger mallorquinischer Geschichte. Im Jahre 1870 kaufte der damals erst 25-jährige Ludwig Salvator, ein junger Mann aus der österreichischen Kaiserfamilie, das Landgut. Der junge Adlige baute das Landgut, das zwischen Deià und Valdemossa liegt, um. Es bekam eine Umgestaltung im italienischen Stil. Außerdem baute man eine Loggia an, von der aus man einen wunderschönen Blick aufs Meer hat. Am Ende der Klippe ließ sich der Erzherzog ein entzückendes Tempelchen aus weißem Marmor im griechischen Stil errichten, das heute oft die Cover unzähliger Mallorca-Reiseführer ziert. Der reiselustige Ludwig Salvator war ein Abenteurer und Entdecker. Er liebte es, mit seiner Dampfyacht Nixe durch das Mittelmeer zu schippern. Er verfasste über 50 Bücher und literarische Werke über seine Erlebnisse. Die Yacht konnte direkt vor Son Marroig anlegen und auch Kaiserin Elisabeth kam ihn von Zeit zu Zeit mit ihrer Yacht besuchen. Der Herrensitz, der heute unter Denkmalschutz steht, ist öffentlich zugänglich und beherbergt seit dem Jahr 1927 ein interessantes Museum. Im Hauptsaal und in der Loggia stehen mehrere Vitrinen in denen die literarischen Werke Ludwig Salvators ausgestellt werden. Hierzu zählen unter anderem Klassiker wie „Lose Blätter aus Abazia“ oder „Wintertage auf Ithaka“. Ende des 19. Jahrhunderts entstand des weiteren die berühmte Geschichtensammlung „Märchen aus Mallorca“. Im Museum von Son Marroig finden sich außerdem zahlreiche persönliche Gegenstände des Erzherzogs, wie beispielsweise ein kunstvoll gedrechseltes Bett aus dem 17. Jahrhundert. Neben weiteren historischen Möbeln und edlen Keramiken sind hier auch typische mallorquinische Gemälde vom 17. bis 19. Jahrhundert untergebracht. Son Marroig ist noch immer im Besitz der Nachfahren der Erben des Erzherzogs, der im Jahre 1915 kinderlos verstarb. Er vermachte seinen gesamten Besitz seinem mallorquinischen Sekretär. Übrigens gehört zum Anwesen auch die etwas kleinere Villa S’Estaca, die im Jahre 1990 vom Hollywoodschauspieler und Oskar-Preisträger Michael Douglas erworben wurde.

Ein Besuch im Figurenmuseum ArtArtà

Wer hier hier zu Besuch kommt, wird aus dem Staunen nicht mehr heraus kommen. Das Figurenmuseum ArtArtà in der Fußgängerzone des gleichnamigen Ortes Artá ist, ein im mallorquinischen Stil renoviertes Stadthaus, das sich selbst als Treffpunkt der regionalen Kunst und Kultur sieht. Schon beim Eintreten ahnt der Besucher, dass ihn hier allerhand Skurriles, Märchenhaftes und Phantastisches erwarten wird. Überrascht und erschrocken zugleich starrt man zunächst im ersten Stock des Museums in die riesigen Augen einer überdimensional geratenen Fratze. Die mächtigen Köpfe der hier ausgestellten Riesen sind Teil einer ganzen Serie von Figuren aus Ton, Pappmaché, Bronze und Harz des einheimischen Bildhauers Pere Pujol. Über einen Zeitraum von 30 Jahren erschuf der Künstler lebensgroße Dämonen, Hexen, Könige, Priester, Gnome und Tierfiguren, die der bunten phantastischen Märchenwelt des Museums ihr Leben einhauchen. Die magischen Figuren mit ihren zauberhaften bestickten Gewändern und goldenen Mondgesichtern scheinen direkt aus den mystischen Märchenbüchern der Rondalles gestiegen zu sein und ziehen jeden Betrachter sofort in ihren Bann. Schon an der Treppe zur oberen Etage beginnt die Reise in die zauberhafte Figurenwelt mit dem Märchensatz aller Sätze: „Es war einmal…“. Und wirklich erlebt man hier zahlreiche Märchenszenen hautnah. Im Saal 1 erwarten den Besucher faszinierende Zaubermärchen. Der zweite Saal präsentiert Tiermärchen mit zahlreichen liebevoll gearbeiteten Tierfiguren. Im dritten Raum geht es schaurig schön zu. Hier sorgen zwei makabere Schreckmärchen für Gänsehaut pur. Das eindrucksvolle Privatmuseum, welches ebenso ein Literaturcafé sowie einen Laden für feines Kunsthandwerk beherbergt ist eine Verwirklichung eines Kindheitstraums der Theaterdirektorin des Ortes Artà. Nach dem Tod ihrer Mutter, die ihr das zweistöckige Haus in der Fußgängerzone von Artà hinterließ, begann Maria Isabell Sancho damit, ihren Traum in die Tat umzusetzen. Sie erschuf einen Ort, wo man die Traditionen von Artà, seine mallorquinische Geschichte sowie das Kunsthandwerk des Ortes kennenlernen kann. Besonders die Märchenfiguren der Rondalles haben es der Museumsleiterin angetan. Wer bisher die Geschichten noch nicht gelesen haben sollte, wird sicherlich nach einem Besuch im Figurenmuseum ArtArtà das Bedürfnis verspüren, die skurrill zauberhaften Charaktere der Geschichten noch etwas näher kennenzulernen. Ganz ohne öffentliche Fördermittel realisierte Sancho dieses mutige Projekt aus eigener Tasche. Das Ergebnis kann sich durchaus sehen lassen und stellt eine Bereicherung der mallorquinischen Museums- und Kulturlandschaft dar.

Mallorcas Kult-Stier hat neue Hörner

Wenn man von Palma oder vom Flughafen auf der MA14 in nordöstlicher Richtung fährt, kann man ihn kaum übersehen. Der Toro von Algaida auf der rechten Seite an der Autobahn von Palma nach Manacor ist ein prächtiger Hingucker. Der eiserne Stier, eine riesige Werbe-Ikone der spanischen Brandy-Marke Osborne ist ganze 14 Meter hoch sowie stolze 14 Meter lang. Der berühmteste Stier Mallorcas steht schon seit 60 Jahren inmitten eines Feldes in der Nähe von Algaida und gehört seit 1997 zu einem nationalen Kulturerbe Spaniens. Die eigentlich schwarze Metallskulptur, die an der Rückseite von einem Gerüst gestützt wird, mutierte im Laufe der Zeit zu einem Symbol des Nationalismus. Regelmäßig wurde er mit politischen Parolen und Slogans besprüht und leuchtete in den verschiedensten Farben. Auch als Werbefläche für mallorqinische Feste wurde er zweckentfremdet. In den vergangenen Jahren wurde der Toro von Algaida allerdings immer wieder reichlich ramponiert und Vandalen brachen dem Symboltier seine Hörner ab. Nun erhielt der Stier wieder zwei neue Metallhörner. Besonders vor Beginn der touristischen Ferienzeit haben die Handwerker alle Hände voll zu tun, damit der Toro von Algaida wieder in seinem ursprünglichen Schwarz erstrahlen kann. Leider sind solche Maßnahmen selten von langer Dauer, denn das Markenzeichen des Osborne Whiskys ist schon lange kein einfacher Werbeträger mehr. Der Metallstier hat sich vielmehr zu einem spanischen Politikum entwickelt. Für die Spanier vom Festland steht er für die sogenannte Hispanidad, die Spanien im allgemeinen sowie den Stierkampf repräsentiert. Die Anhänger der mallorquinischen Autonomie sehen in ihm ein Nationaldenkmal, das gegen die spanische Fremdherrschaft ankämpft. So wird abwechselnd mit spanischen und katalanischen Parolen der Kampf um die beiden Lebensanschauungen im wahrsten Sinne des Wortes auf der Straße ausgetragen. Der berühmte Stier hat inzwischen sogar seine eigene Fangemeinde bei Facebook. Die User haben hier die Möglichkeit, dem Kultobjekt auf virtuelle Art und Weise ihre eigenen Gestaltungskreationen zu verpassen. So erstrahlt er in den originellsten Looks vom Stier mit Badehose bis hin zum Stier im Zebra-Look oder mit lila Punkten, Lachmund und Sonnenbrille. Insgesamt hat Osborne in ganz Spanien 94 dieser überdimensionalen Stiere aufgestellt. Der Toro von Algaida ist aber das einzige Exemplar auf den Balearen.

San Sebastian & San Antoni – Die Feierlichkeiten beginnen

In Palma de Mallorca werden alljährlich im Monat Januar die Festlichkeiten zu Ehren des Heiligen Sebastian begangen. San Sebastian hat einer traditionellen Überlieferung zufolge die Stadt im Jahre 1523 mit einem Wunder von der Pest befreit. Die Feierlichkeiten, die sich über mehrere Tage erstrecken, werden begleitet von traditionellen Ritualen sowie zahlreichen Konzerten und Ausstellungen. Der Namenstag des Schutzpatrons ist der 20. Januar, doch bereits in den Tagen davor wird in Palma gefeiert. Eines der Highlights ist der Correfoc, an dem feuersprühende Menschen als Dämonen verkleidet durch die Straßen tanzen. Den Höhepunkt der San Sebastian Festwoche bildet die sogenannte Revetla am Abend des 19. Januars. Auf der Plaça Cort findet ab 19 Uhr ein farbenprächtiger Umzug zu Ehren des Heiligen Sebastian statt. In Richtung der Plaça Major ziehen riesige Drachen, Schwellköpfe und bunte Figuren untermalt von spektakulären Dudelsack-Klängen. Auf mehreren Plätzen finden zahlreiche Konzerte statt und die Stadt verwandelt sich in ein großes Musikfestival. Gleichzeitig grillen die Insulaner über Holzfeuern gemeinsam Fleisch und feiern bis in die frühen Morgenstunden. Am eigentlichen Feiertag, dem 20. Januar beendet ein wunderschönes Feuerwerk über dem Hafen von Palma die Feierlichkeiten zu Ehren von San Sebastian. Doch im Januar wird nicht nur San Sebastian auf Mallorca gefeiert. In vielen Orten auf der Insel feiert man zu dieser Zeit auch den Heiligen Antoni. Der Namenstag des Schutzpatrons für die Haus- und Nutztiere ist der 17. Januar. Bereits in der Nacht davor wird die Hexennacht gefeiert. Die „Nit de Bruixa“ wird vielerorts mit Teufelstänzen begangen. In den meisten Orten versammeln sich die Bewohner am Feuer zum Feiern, Essen und Trinken und führen traditionelle Tänze auf. Am 17. Januar bringen viele Insulaner ihre Tiere in die örtlichen Kirchen oder zum Marktplatz des Dorfes, um sie dort von den Geistlichen segnen zu lassen. Bei diesem Ritual werden Pferde, Schweine, Hühner, Ziegen und Schafe gesegnet. Am 19. Januar können die Tierbesitzer auch ihre Haustiere nach Palma bringen. Sie werden um die Mittagszeit vor der Kirche Sant Antoniet gesegnet. Diese sehenswerte Prozession der Haustierbesitzer mit ihren Hunden, Katzen, Meerschweinchen, Schildkröten und sogar Goldfischen wird von der Hunde- und Reiterstaffel der Polizei von Palma de Mallorca angeführt. San Antoni wird besonders im Osten Mallorcas groß gefeiert. Hier liegen die Ursprünge dieses Festes. Die Haupt-Ausrichtungsorte sind Sa Pobla, Manacor, Artà und Llucmajor.