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La Gordiola – Die Kunst der Glasbläserei

Die Glasbläserei La Gordiola in Algaida zählt zu einem der beliebtesten Ausflugszielen auf Mallorca. Und wirklich ist es sehr interessant, dabei zuzusehen, wie die schönen und äußerst fragilen Glasbläserarbeiten dort hergestellt werden. Faszinierend ist es, wie das eben noch im glühend heißen Brennofen geschmolzene Material in Minutenschnelle zu bunten Weingläsern, hübschen Vasen und Figuren oder kunstvollen Lampenteilen verarbeitet wird. Schon um etwa 600 v. Chr. wurden auf Mallorca hochwertige Glaswaren produziert. Es waren die Phönizier, die damit begannen, Glas in den unterschiedlichsten Formen herzustellen. Damals wurde das flüssige Rohmaterial allerdings noch in fertige Tonformen gegossen. Historische Funde aus der Gegend um Alcúdia zeugen davon, dass später die Römer das Wissen rund um die zerbrechlichen Güter übernommen haben. Und auch die Araber verstanden sich in der Kunst der Glasherstellung. Sie verwendeten vorzugsweise grünes Glas, nach der Farbe des Propheten. Schon damals entstanden besonders filigrane und verschnörkelte Formen, die sogar teilweise noch nach der Wiedereroberung durch die Christen beibehalten wurden. Diese Jahrtausende alte Tradition der Glasbläserei, wird bei La Gordiola meisterhaft fortgeführt. Die Glasbläser benutzen ein Metallrohr, eine sogenannte Canya, um die noch glühende Masse aus dem Feuer zu holen. Nun wird diese tatsächlich wie ein kleiner Ballon aufgeblasen. Danach wird das zähflüssige Gebilde mit speziellen Zangen in seine gewünschte Form gebracht. Das muss zügig geschehen, denn das Material kühlt schnell ab und lässt sich dann nicht mehr bearbeiten. Zum Schluss wird das fertige Glasprodukt mit dem Tallant, einem scharfen Messer, vom Rohr abgeschnitten und im Wasser ausgekühlt. Früher wurde noch mit Holz und später mit Öl befeuert. Heute schmilzt das Glas, nach Farben getrennt, in einem speziellen Gasofen bei rund 1.200° Celsius. Gegründet wurde die Glasmanufaktur La Gordiola in Algaida im Jahre 1719 von dem katalanischen Glashändler Gordiola und dem Glasbläser Blas Rigal. Während Rigal für den Bau des Brennofens zuständig war, finanzierte Gordiola das Projekt. Damals wurden vorwiegend Elemente der traditionellen Glasbläserkunst aus Venedig verarbeitet. Im Jahre 1790 veröffentlichte Gordiola seinen ersten Katalog über besonders schön gearbeitete Kronleuchter und Lüster. Seine Vision: Diese sollten die Paläste der europäischen Herrscher erleuchten. Auch in Palma befinden sich heute noch zwei weitere Glasbläsereien. Die Betriebe stellen vorwiegend Produkte für Firmen oder Auftragsarbeiten für Privatpersonen her. In den angeschlossenen Shops kann man aber auch sein ganz persönliches Souvenir kaufen.

Santuari de Son Corró – ein prähistorisches Heiligtum

Wer gerne einmal in die Geschichte Mallorcas eintauchen möchte, dem sei ein Besuch des Santuari de Son Corró, dem prähistorischen Heiligtum von Son Corró empfohlen. Die sehenswerte Ausgrabungsstätte im Gemeindegebiet von Costitx liegt etwa 95 Meter über dem Meeresspiegel am Rande eines Feldes auf einem Hang bei Son Corró und birgt interessante Fundstücke und Zeitzeugen aus der sogenannten Talayot-Kultur. Das Santuari de Son Corró besteht aus den Überresten einer Außenmauer sowie einem Altarbereich mit sechs Säulen, die im Zuge der Ausgrabungsarbeiten rekonstruiert wurden. Den Fundstücken auf der Ausgrabungsstätte nach zu urteilen, datieren Archäologen die Erbauung dieses Heiligtums auf die Zeitspanne zwischen dem 4. und 2. Jahrhundert v. Chr., der Phase der sogenannten Talayot-Kultur auf Mallorca. Das Innere des rund 85 Quadratmeter großen Santuari wird von den Talayot Säulen dominiert. Die Außenmauern sind durch Schienen gekennzeichnet. Entdeckt wurde diese Stätte im Jahr 1894. Zu dieser Zeit fand der damalige Eigentümer des Anwesens in Son Corró, Joan Vallespir de Can Pere Pina, drei bronzene Stierköpfe. Die berühmten Stiere von Costitx, Bous de Costitx, befinden sich seit 1985 in Madrid im Archäologischen Nationalmuseum. Bei Ausgrabungen fanden Archäologen heraus, dass es sich bei dieser Stätte um ein post-talayotisches Heiligtum handeln musste. Später wurden noch weitere interesante Fundstücke aus Bronze entdeckt. Das Santuari de Son Corró gehört zu den typischen Bauwerken der sakralen Architektur der talayotischen, welche zum Ende der Bronze- und Eisenzeit auf Mallorca Ihre Blütezeit erlebte. Santuaris dieser Epoche konnten entweder einzeln stehen oder in Siedlungen in Verbindung mit weiteren Kultstätten. Jedoch handelte es sich bei diesen Heiligtümern immer um freistehende Gebäude ohne weitere Anbauten. Betritt man das Santuari, erkennt man, dass die Innenfläche ohne jegliche Unterteilungen erbaut wurde. Das leicht rechteckige Gebäude bestand also nur aus einem einzigen Raum. Die Reste der Außenmauern sind sind in Trockenbauweise errichtet worden. Im Inneren des befinden sich die sechs rekonstruierten Säulen, in sich in zwei parallelen Reihen zu je drei Säulen gegenüberstehen. Bei der Rekonstruktion war dies jedoch ein sehr umstrittener Punkt, da sich die Archäologen uneinig darüber waren, ob das ursprüngliche Heiligtum offen oder überdacht war und ob die Säulen unregelmäßig oder regelmäßig angeordnet waren.

Die Ruinen des Campament dels Soldats

Die Region rund um Cap Ferrutx im Nordosten Mallorcas gilt als eine einsame, verkarstete Ecke der Insel, die menschenleer und verlassen wirkt. Dennoch ist sie ein sehr beliebtes Ziel von Wanderern, Abenteurer und Entdeckern. Bei einer Tour in der Nähe des Ortes Artà, lohnt sich ein Besuch der Ruinen des Soldatenlagers Campament dels Soldats. Zur Zeit der Franco-Diktatur gehörte die Anlage zu einer von insgesamt 104 Arbeitslagern. Heute zeugen die eindrucksvollen Ruinen vor der Zeit, als in dem Soldatenlager zwischen den Jahren 1930 und 1944 rund 750 Zwangsarbeiter untergebracht waren. Bei den meisten handelte es sich um ehemalige Soldaten, die der vormaligen republikanischen Armee angehörten. Doch auch Zivilisten waren unter den Insassen, bei denen es sich hauptsächlich um politische Widersacher Francos handelte. Die Soldaten wurden hierher verfrachtet, um eine massive Verteidigungslinie an der Küste zu errichten. Diese sollte zwischen dem Cap de ses Salines und Port de Pollenca entstehen. Zudem sollte als Zugang zum Puig de sa Tudossa eine Militärstraße gebaut werden, da auf dem Berg eine Flugabwehranlage installiert werden sollte. Die Straße sollte eine Gesamtlänge von etwa sechs Kilometern haben. Doch weder die Militärstraße, noch die Einrichtung zur Flugabwehr wurden je fertiggestellt. Unter menschenunwürdigen Bedingungen wurden die Zwangsarbeiter zunächst mit dem Zug von Palma nach Artà gefahren. Von hier aus mussten sie den Rest des Weges zu Fuß marschieren. Die geschundenen Arbeiter waren zunächst in einem Zeltlager untergebracht. Doch viele erkrankten nicht zuletzt wegen des oft sehr zugigen Windes in dieser Region. So wurde auf dem Grundstück des Lagers eine gemauerte Baracke als Unterkunft errichtet. In den späteren Jahren von 1943 bis 1948 war dann in dem ehemaligen Arbeitslager eine Kompanie spanischer Soldaten stationiert. Nach dem Abzug der Soldaten verfiel die verwaiste Anlage zusehends. Zum Gedenken an das Arbeitslager errichtete die Inselregierung der Balearen im Jahre 2002 einen Gedenkstein. Auf Wunsch der Soldatenvereinigung Associació del Campament dels Soldats wurde 2011 der Grundriss des Lagers wieder rekonstruiert und Teile der Lagergebäude freigelegt. Für Wanderer ist der steinige und steile Pfad hinunter zum Soldatenlager eine schöne Herausforderung. Die als Route Nummer 4 ausgeschilderte Strecke führt an den inseltypischen malloquinischen Steinmännchen vorbei, die man auf vielen Wegen und Pfaden auf der Insel antrifft.

Die Festung Es Forti

Ein empfehlenswertes Ausflugsziel an der Südostküste Mallorcas ist die historische Festung „Es Forti“. Die sehenswerte ehemalige Militärfestung liegt an der idyllischen Cala D’Or, inmitten einer hübschen Felslandschaft gleich am Ortseingang zu Cala Llonga, Santanyi. Die renovierte Anlage lohnt einen Besuch und dieser kann wunderbar mit einem beschaulichen Spaziergang durch die herrliche Landschaftskulisse verbunden werden. Das zerklüftete Küstenareal um Cala D’Or ist durch seine hohen Felsen und rauen Klippen ein sehr reizvolles Gebiet. Das kristallklare Wasser und die kleinen charmanten Strände locken immer wieder Naturfreunde an. „Es Forti“, auch bekannt unter dem Namen „Bateria Nueva de Cala Llonga“ liegt unweit vom wunderschönen Nationalpark Mondragó, der für seine traumhaften Strände bekannt ist. Auf dem Weg zur Festung kann also auch wunderbar ein kleiner Badeaufenthalt mit eingeplant werden. Unterwegs passiert man auch eine kleine Bucht, mit dem schönen gepflegten Strand „Cala Es Forti“ , der die Wanderer und Besucher des kleinen aber imposanten Forts zum Verweilen, Schwimmen und Entspannen einlädt. Im Jahre 1730 wurde die Festung auf königliche Anordnung durch Philipp V. errichtet. Sie sollte den Seeleuten als Zufluchtsort vor Piraten dienen. Die Anlage war mit vier Kanonen zur Verteidigung ausgestattet. Außerdem hatte das quadratische Bauwerk an der Wasserseite zahlreiche große Schießscharten, um die Angreifer abwehren zu können. Die Festung bot auch Wohnraum. Sie verfügte über 3 Kammern, für den Feldwebel und seine Leibwache, die aus bis zu 19 Männern bestand. Nachdem das Fort im Jahre 1755 durch ein Erbeben zerstört wurde, fand im Jahre 1793 nochmals der komplette Wiederaufbau der Wehranlage statt. Im Jahre 1878 ging „Es Forti“ schließlich in privaten Besitz über. 1992 folgte dann der letzte Besitzerwechsel. Damals wurde die hübsche Wehranlage liebevoll restauriert und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Man kann die Festung kostenfrei betreten und sich in Ruhe ein Bild von der historischen Stätte machen. Immer wieder kommt man an schönen Aussichtspunkten oder Plattformen vorbei. Von hier aus hat man eine atemberaubende Aussicht auf das Meer und die zerklüftete Landschaft aus mächtigen Felsformationen und traumhaften, einsamen Buchten. Neben der Besichtigung der Anlage bietet die Festung auch regelmäßige Veranstaltungen, wie Konzerte, Ausstellungen, kulturelle Feste und traditionelle Feierlichkeiten in einem einmaligen historischem Ambiente.

Mallorcas kunstvoll gearbeitete Türklopfer

Wie in vielen Mittelmeerregionen fallen auch auf Mallorca an vielen Häusern die hübschen und meist recht kunstvoll gearbeiteten Türklopfer auf. Man kann Sie an alten herrschaftlichen Herrenhäusern, sowie an ganz normalen historischen Stadthäusern finden. In der Regel ersetzten diese kleinen Schmuckstücke die Türglocke. Die Türklopfer sind in der Regel aus schwerem Material, wie Bronze, Eisen oder Schmiedeeisen gefertigt, um an den mächtigen alten Holztüren ein gut hörbares Klopfgeräusch zu erzeugen. Die Formen variieren. So gibt es filigran gearbeitete Symbole, Tiere, Figuren oder Formen an denen ein Eisenring hängt oder Türklopfer mit hammerförmigen Schlegel, die im Mittelalter zugleich als Türzieher verwendet wurden. Ein beliebtes Motiv ist auch ein Löwenmaul oder das Maul eines anderen Tieres in dem ein schwerer Ring angebracht ist. Auch Köpfe mit Gesichtern oder angsteinflößende Fratzen sind gelegentlich Motive der traditionellen Türklopfer, die von verrotteten Türen blinken. Auf Mallorca ist eine weit verbreitete Form der Türklopfer die Form einer Hand. Ofmals ist die Grundform sehr symmetrisch, wobei es keine große Rolle spielt, ob die Finger der Hand nach oben oder nach unten gerichtet sind. Hierbei handelt es sich um die symbolische Darstellung der Hand Fatimas, der man hauptsächlich an den Häusern in den südlichen Regionen Spaniens sowie in Nordafrika begegnet. Sie ist eigentlich ein traditionelles Symbol des islamischen Glaubens, das Schutz bieten soll, böse Geister abwehrt und den bösen Blick abhalten soll. Für die Bewohner des Hauses ist die Hand Fatimas außerdem ein Glückssymbol, das Segen und Kraft spenden soll. Ursprünglich im Mittelalter eingeführt, wurden in der Renaissance aus den Türklopfern echte kleine Kunstwerke, die genau wie die Machart und die Ausstattung der Türe selbst, den Reichtum sowie die gesellschaftliche Stellung des Hausbesitzers zur Zeit der Erbauung symbolisieren sollten. Man findet liebevoll polierte Varianten genauso wie uralte mit Patina besetzte Türklopfer an alten schweren Holztüren. Teils naturbelassen aber auch manchmal in den lautesten Farben knallbunt lackiert stechen diese kleinen Kunstobjekte ins Auge des Betrachters. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt und die Gestaltungsmöglichkeiten sind unglaublich vielfältig. Und wer einmal darauf achtet, wird die originellsten Exemplare finden und mit der Zeit immer wieder unwillkürlich die Türen der Häuser nach interessanten Türklopfer-Motiven absuchen.

Die Ausgrabungsstätte Son Peretó

Die Ausgrabungsstätte Son Peretó gilt als Mallorcas bedeutendstes Relikt der frühchristlichen Kirche. Das Gelände, nahe der MA-15 zwischen Manacor und Artà, beherbergt, neben einer Reihe weiteren historischen Fundstücken, vor allem das Fundament einer rund 21 Meter langen und etwa 14 Meter breiten Basilika. Innerhalb dieser Grundmauern befinden sich unter anderem zwei kreuzförmige Taufbecken, von denen eines so tief ist, dass auch Erwachsene darin Platz fanden. Wer den etwa 100 Meter langen Feldweg zur Ausgrabungsstätte zurückgelegt hat, findet auf einer großen Infotafel einen ersten Überblick zur Geschichte dieses Ortes. Die Schautafel, die die Besucher in den Sprachen Spanisch, Katalanisch, Deutsch und Englisch informiert, berichtet von dem Landwirt Son Peretó, der vor rund einhundert Jahren beim Pflügen auf die Reste von historischen Mosaiken stieß. Kurz darauf verkaufte er sein Land an den Pfarrer und Hobby-Archäologen Joan Aguiló, der kurzerhand auf dem Gelände Ausgrabungen durchführen ließ. Während der dreijährigen Ausgrabungsarbeiten kamen die Reste der Basilika mit den Taufbecken und weiteren Räumen sowie eine Totenstadt und weitere alte Mosaike zum Vorschein. Ursprünglich war der Kirchenraum durch zwei Säulengänge unterteilt. Der Altar an der Ostseite wurde von vier Pfeilern gestützt, die in einem rechteckigen Sandsteinbecken eingelassen waren. Hier wurden früher auch die Reliquien aufbewahrt. Auffallend ist eine Reihe von Ziegelsteinen, die knapp über dem Boden der Kirche die Wände entlang verlaufen. Sie sollen eine Trennungslinie darstellen. Die Steine, die sich unterhalb davon befinden, sind die Überreste der ursprünglichen Grundmauern. Die Steine über der Markierung gehören auch zur Basilika, wurden aber von den Archäologen nachträglich eingesetzt. Viel ist nicht mehr übrig von der einstigen Basilika, doch eine rekonstruierte Zeichnung lässt erahnen, wie das Gotteshaus zur damaligen Zeit ausgesehen haben muss. Prachtvoll gearbeitete Mosaiken in rot, schwarz und weiß zierten den Boden der Seitenschiffe und des halbrunden Altarraums. Zusammen mit weiteren Fundstücken und Skeletten sind Teile dieses prachtvollen Mosaiks heute im Historischen Museum von Manacor zu bewundern. Neben dem Kirchengelände befinden sich eine Reihe von seltsam anmutenden Grabstellen. Die Begräbnisstätten hatten etwa die Form einer Badewanne und waren in verschiedenen Größen angefertigt. So gab es auch Kindergräber. Eine Infotafel zeigt, wie der Leichnam damals beigesetzt wurde. Archäologen zufolge wurde Son Peretó wahrscheinlich im 7. oder 8. Jahrhundert bei einen Brand, im Rahmen von Überfällen, durch Muslime zerstört.

Die Obelisken am Strand

Auf dem ersten Blick geben sie dem Beobachter schon einige Rätsel auf. Die großen, nach oben zulaufenden Betontürme an der Nordküste der Insel werden von vielen Besuchern zunächst einmal für Leuchttürme oder Beobachtungsposten gehalten. Doch tatsächlich handelt es sich bei den geheimnisvollen Obelisken in der Bucht von Alcúdia um die sogenannten Torres d’Enfilaciò. Das sind maritim-strategische Peiltürme die in den Kriegsjahren zwischen 1940 und 1945 von der spanischen Marine dort errichtet wurden. Viele der insgesamt 28 Obelisken waren ursprünglich weiß gestrichen und trugen an der Spitze eine rote Markierung. In den Jahren von 1941 bis 1970 setzte die spanische Flotte diese schlanken Türme zum Zweck der Kreuzpeilung für militärische Übungen ein. Die Obelisken dienten hauptsächlich Schiffs- und U-Boot-Kapitänen als Navigationspunkte bei Torpedo-Übungen im Bereich zwischen der Bucht von Alcúdia und Colònia de Sant Pere. Sie wurden immer paarweise aufgestellt, wobei einer der Türme immer 200 Meter weiter landeinwärts positioniert wurde. Die Abstände zwischen den Obelisken-Paaren betrug jeweils 1.240 Meter. Hat man zwei Landmarken wie diese Türme zur Verfügung, kann man mittels Peilung der beiden seine genaue Position feststellen. Heute sind von den ursprünglich 28 Türmen nur noch knapp ein Dutzend übrig, die meisten von diesen Obelisken befinden sich im Dünengebiet zwischen den Touristenhochburgen Can Picafort und Port d’Alcúdia. Viele davon sind noch recht gut erhalten. Einen restaurierten Peilturm in den Originalfarben weiß und rot kann man auf der Insel übrigens zwischen den Siedlungen Colònia de Sant Pere und Betlem finden. Hinter den Dünen befinden sich zwei sehenswerte Naturschutzgebiete, die einen Besuch lohnen. Die Reservate Area natural Sa Canova und Na Borges. Hier kann man bei einem beschaulichen Spaziergang, fernab vom Massentourismus eine einzigartige Flora und Fauna bestaunen. So finden sich hier neben wilden Olivenbäumen auch exotische Sträucher, wie der westliche Erdbeerenbaum. Auch Zwergpalmen, Steinlinden und Aleppo-Kiefern säumen das wildromantische Gebiet. Die ausgedehnte Dünenzone, die Marina de Sa Canova, aus der die unwirklich erscheinenden Obelisken emporragen, zieht sich mehrere Kilometer weit in das Landesinnere. Hier liegt auch ein kleiner Brackwassersee. Naturfreunde können seltene Vogelarten, wie den Grau- und Purpurreiher oder den Eisvogel in ihrer natürlichen Umgebung beobachten.

Ermita de la Santíssima Trinitat

Versteckt und etwas abseits gelegen befindet sich, in der Nähe der Straße von Valldemossa nach Dejà, die sehenswerte Ermita de la Trinitat. Das idyllische Kloster zu deutsch die Eremitage der Heiligsten Dreifaltigkeit, erreicht man über eine abenteuerliche kleine Straße. Der steile Weg wird immer und immer schmaler und wenn man schon fast dabei ist, die Nerven zu verlieren, weil man glaubt, dass es nicht mehr weiter geht, kommt nach einigen Metern an der Klostermauer entlang der große Parkplatz in Sicht. Wer sich den Weg mit dem Auto nicht zutraut, kann eine Wanderung unternehmen. Etwa 900 Meter vor der Klosteranlage kann man bequem parken und den Rest des Weges zu Fuß zur Ermita de la Trinitat zurück legen. Die Anlage liegt malerisch am Rande eines großen Steineichenwaldes und bietet einen atemberaubenden Blick auf die herrliche Umgebung. Die ursprünglich im Jahre 1648 gegründete Klosteranlage besteht aus den Resten eines Oratoriums, einer hübschen Kapelle sowie weiteren kleinen Nebengebäuden. Ursprünglich war die Ermita auf den Ruinen eines ehemaligen Franziskaner-Klosters erbaut worden. Joan Mir i Vallès war der Begründer, der gemeinsam mit dem Rektor der Kartause Valldemaossa das Regelwerk des heutigen Ordens der Heiligen Paulus und Antonius von 1805 verfasste, das noch bis heute seine Gültigkeit hat. Für Besucher zugänglich ist die kleine Kapelle, der hübsche Innenhof, einige Nebengebäude sowie die malerischen Außenbereiche. Hierzu gehört auch der schöne steinerne Balkon, von dem man bis weit über die Küste von Valldemossa blicken kann. Früher war er ein Versammlungsort für die Mönche. In der kleinen Eingangshalle wird auf Fliesenbildern der Begründer der Ermita, Joan de la Concepció Mir i Vallès, dargestellt. Noch heute wohnen einige Mönche dieses Ordens hier. Sie leben größtenteils als Selbstversorger und bewirtschaften die Anlage. In einem schön angelegten Gemüsegarten bauen die Mönche Salate, Lauch, Kohl, Zwiebeln, Tomaten und allerlei duftende Kräuter an. Außerdem betreiben Sie hier einen kleinen Souvenirshop. Es lohnt sich, hier ein wenig zu verweilen und die herrliche Ruhe zu genießen oder den Gesängen der Mönche aus der Kapelle zuzuhören. Hierher verirren sich nur wenige Touristen und man hat das Gefühl, fernab der Zivilisation zu sein. Allerdings kommen am Wochenende zahlreiche Mallorquiner, um sich an den in den Felsen gehauenen Picknick-Tischen niederzulassen und sich zu entspannen.

Eine Wanderung auf den Kanonenberg

Für Wander- und Naturfreunde gilt der sogenannte „Kanonenberg“ im nördlichen Teil der Halbinsel Victòria als ein beliebter Wander-Klassiker auf Mallorca. Auf dem schroffen Berggipfel der Penya des Migdia, was Mittagsfels bedeutet, befindet sich eine alte Kanone, die im 16. Jahrhundert zur Abwehr gegen Piraten von den Einheimischen dort hinaufgeschleppt wurde. Wegen des roten Gesteins nennt man den Kanonenberg auch Penya Roja. Die mittelschwere bis anspruchsvolle Wandertour beginnt am am Parkplatz der Ermita de la Victòria. Der zunächst breite und schattige Waldweg führt am Restaurant Mirador de la Victòria vorbei. Von hier aus hat man eine wundervolle Aussicht über die Bucht von Pollenca. Passiert man den Schlagbaum, wird der Weg steiler und führt nach einer Gehzeit von rund 20 Minuten zum Hauptweg auf den Penya Roya. Für den gut markierten Treppenpfad sollte man über festes Schuhwerk und eine gute Trittsicherheit verfügen. Der Wegverlauf wird von Steinfiguren und vereinzelten roten Punkten markiert und führt aus dem Wald heraus, wo sich dem Wanderer ein fantastischer Panoramablick über die herrliche Bergwelt der Tramuntana eröffnet. Auch kann man von hier aus sehr gut die Halbinsel Formentor erkennen. Weiter führt die Route zu einer historischen Befestigungsanlage. Besonders beeindruckend ist der schmale und niedrige Durchschlupf mit seinem wirklich spektakulären Ausblick. Hierbei handelt es sich um die Überreste eines alten Wachturms. Im weiteren Verlauf folgt ein sehr schmaler Pfad, der an der Felswand durch eine Eisenkette gesichert wird. Hier ist Schwindelfreiheit eine wichtige Voraussetzung. Auf der Aussichtsplattform, dem Mirador, wird man dann mit einem fantastischen Blick auf das Cap de Pinar belohnt. Hier befinden sich auch noch weitere Relikte der alten Befestigungsanlage. Der Rest des Aufstiegs des 355 Meter hohen Penya Roja führt über einen felsigen Pfad mit engen Kehren steil nach oben zum gemauerten Rondell mit der Kanone, die inzwischen durch eine neuere Lafette ersetzt wurde. Von hier aus ist die Aussicht wundervoll. Im Osten erkennt man Menorca, Richtung Südosten schweift der Blick bis zur Talaia de Son Jaumell, im Norden erstreckt sich Formentor und im Westen erheben sich der Puig Tomir und der Puig de Massanella. Die gesamte Tour ist etwa 8 Kilometer lang dauert rund zweieinhalb Stunden. Zu beachten ist außerdem, dass man genug Proviant und Wasser dabei hat, da es unterwegs keine Einkehrmöglichkeiten gibt.

Das prähistorische Dorf von S’Hospitalet Vell

Mallorca ist eine Insel mit lebendiger Geschichte. Beinahe auf Schritt und Tritt trifft man auf historische Zeitzeugen aus vergangenen Tagen. Eine der wohl bedeutendsten archäologischen Fundstätten ist das prähistorische Dorf von S’Hospitalet Vell. Diese sehenswerte Ausgrabungsstätte liegt inmitten von Feldern und Johannisbrotbäumen an der Ostküste Mallorcas. Südlich der Gemeinde Manacor scheint die Zeit stehengeblieben zu sein. Die Fundstätte, die noch immer vom Archäologen des Historischen Museums Manacor bearbeitet wird, umfasst einen weiten geschichtlichen Rahmen. In drei Teilbereichen kann der Besucher direkt zwei wichtige Zeitepochen der mallorquinischen Geschichte entdecken, nämlich die Bronzezeit und die Eisenzeit, die durch die Talayoten geprägt wurde. Wenn man den ersten und zugleich ältesten Bereich der Ausgrabungsstätte betritt, befindet man sich etwa in der Mitte des zweiten Jahrtausends v. Chr. , also direkt im Zentrum der balearischen Bronzezeit. Hier finden sich verschiedene Überreste von vorgeschichtlichen Wohnbauten, auch Navetas genannt. Die Navetas-Siedlungen bestanden meist aus Großsteinbauten mit wenigen Familien, die von Viehzucht und Landwirtschaft lebten. Vier gut erkennbare Überreste der Gebäude befinden sich auf dem Gelände von S’Hospitalet Vell. Das Besondere an diesen Steinbauten war, dass sie die Form von umgekippten Schiffen hatten. Solche Siedlungen waren typisch für die prähistorischen Dörfer auf Mallorca in der Zeit um circa 1.100 v. Chr. Weiter geht der Rundgang durch die, von weidenden Schafen umgebende Ausgrabungsstätte, bis hin zu einem außergewöhnlichen, viereckigen Talayot. Im Gegensatz zu anderen Exemplaren finden sich auf der Mittelsäule des Talayots von S’Hospitalet Vell noch Reste der damaligen Abdeckung. Man nimmt daher an, dass die Dachkonstruktion nicht, wie üblicherweise aus Holzbalken, sondern aus langen Steinplatten gebaut wurde, was weiter zu der Vermutung führt, dass dieser Talayot aus mehreren Etagen bestand. Wahrscheinlich überwachte man von hier aus die Umgebung. Um den Talayot gruppieren sich außerdem einige Häuser sowie eine Säulenhalle. Besonders beeindruckend sind sicher die Überreste eines rechteckigen Gebäudes im letzten Bereich der Fundstelle. Das ungewöhnlich akkurat gebaute Bauwerk, von dem noch drei Lagen gut erhaltener Steinquader zu sehen sind, hebt sich insofern von den restlichen Gebäuden ab, als dass es nicht der Bautechnik der Talayots entspricht. Solche perfekt platzierten zyklopischen Blöcke erinnern eher an altgriechische Mauern aus dem 5. Jahrhundert v. Chr. Man vermutet daher, dass dieses Bauwerk aus der punischen Zeit stammen könnte. Das Gebäude diente wahrscheinlich als Ort für die Truppenrekrutierung der legendären mallorquinischen Steinschleuderer, die man vor hier aus in die Kampfgebiete des westlichen Mittelmeer aussandte.